Kirchen sind mehr als Gebäude. Sie prägen Orte, erzählen Geschichte und sind für viele Menschen mit Erinnerungen, Gemeinschaft und Zugehörigkeit verbunden. Doch ihre Zukunft ist vielerorts offen.
Ein Drittel aller Kirchen in Deutschland - ca. 14.000 bis 15.000 Gebäude - wird nach Einschätzung von ExpertInnen in den nächsten Jahrzehnten seine ursprüngliche liturgische Funktion verlieren.
Quelle: Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen: Umnutzung von Kirchengebäuden
Sinkende Mitgliederzahlen, rückläufige Einnahmen und steigende Energie-, Sanierungs- und Unterhaltskosten setzen viele Gemeinden unter Druck.
Sinkende Mitgliederzahlen, rückläufige Einnahmen und steigende Energie-, Sanierungs- und Unterhaltskosten erhöhen den Handlungsdruck für Kirchengemeinden, Bistümer, Landeskirchen und weitere kirchliche Träger. Künftig wird vielerorts nur noch ein Teil des Gebäudebestands dauerhaft getragen werden können. Für die übrigen Kirchen braucht es tragfähige Perspektiven - von neuen Nutzungen und Kooperationen bis hin zur Abgabe an neu Eigentümer und Investoren.
Gleichzeitig sind zahlreiche Kirchen denkmalgeschützt, baulich anspruchsvoll und fest im Ortsbild verankert.
In Deutschland betrifft dieser Wandel rund 45.000 Kirchengebäude. Damit wächst die Frage, wie diese besonderen Orte weitergenutzt, räumlich neu aktiviert und langfristig erhalten werden können.
Die Gemeinden werden kleiner. Die Kirchen bleiben.
Deshalb geht es nicht ausschließlich darum, eine neue Nutzung für ein Gebäude zu finden. Es geht auch darum, vorhandene Räume und ihre Potenziale neu zu aktivieren und die Frage zu beantworten: Welche neue Rolle kann dieser Ort für die Menschen und sein Umfeld übernehmen?
Kirchenräume bieten dafür besondere Möglichkeiten und Flächen. Sie können zu Orten für Gemeinschaft, Kultur und Bildung werden. Zu Räumen für soziale Angebote, Arbeiten, Wohnen oder neue Mischformen. Manchmal bleibt auch die kirchliche Nutzung Teil eines neuen Gesamtkonzepts.
Eine tragfähige Lösung entsteht jedoch nicht, indem irgendeine neue Funktion in den bestehenden Raum gesetzt wird. Sie muss zum Gebäude, zum Umfeld und zu den tatsächlichen Bedürfnissen vor Ort passen. Und sie muss langfristig funktionieren - räumlich, wirtschaftlich und gesellschaftlich.
Wir begleiten Kirchengemeinden und weitere Akteure dabei, diese Perspektive gemeinsam zu entwickeln. Dabei betrachten wir die Geschichte und die besonderen Qualitäten des Ortes ebenso wie sein räumliches Potenzial, Möglichkeiten der Aktivierung, technischen Anforderungen und zukünftigen Nutzungsmöglichkeiten.
Gerade bei Kirchen treffen viele Interessen aufeinander: Gemeinde und Nachbarschaft, Kommune und Denkmalschutz, zukünftige NutzerInnen und mögliche BetreiberInnen. Deshalb ist es wichtig, die Menschen, die mit diesem Ort verbunden sind, früh in den Prozess einzubeziehen.
Bewahren bedeutet nicht, alles unverändert zu lassen.
Manchmal braucht ein Kirchenraum einen deutlichen Eingriff, manchmal nur wenige präzise Veränderungen. Entscheidend ist, herauszufinden, was diesen Ort besonders macht und wie genau diese Qualität Teil seiner Zukunft werden kann.
Worauf es uns dabei ankommt:
Eine tragfähige Nutzung, die den Kirchenraum aktiviert und zum Gebäude, zum Ort und zu den Menschen passt.
Ein gemeinsamer Prozess, der Kirchengemeinde, Kommune und weitere Beteiligte früh zusammenbringt.
Ein behutsamer Umgang mit dem Bestand, der Identität bewahrt und Neues ermöglicht.
So können Kirchenräume wieder zu aktiven Orten werden - Orten, die ihre Geschichte weitertragen und gleichzeitig Raum für neue Nutzungen, Begegnungen und Gemeinschaft schaffen.